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Bild: Gasversorgung

Informationen zur Lage der Gasversorgung in Deutschland

Aktuell fragen sich viele Kundinnen und Kunden, wie sicher die Lieferung von Erdgas noch ist.  Die Stadtwerke Oerlinghausen haben hier die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengetragen.

Eins vorweg: Für unsere Kunden in Oerlinghausen besteht aktuell kein Grund zur Sorge. Die Gasmengen für 2022 und 2023 haben die Stadtwerke Oerlinghausen bereits beschafft. Haushaltskunden und Einrichtungen wie Krankenhäuser sind darüber hinaus durch gesetzliche Bestimmungen besonders geschützt und werden vorrangig mit Energie versorgt.

Die Erdgasspeicher sind zu 90,29 % gefüllt (Stand 22.09.2022) und das Befüllen schreitet langsam weiter voran. Dennoch besteht die Möglichkeit das Erdgas im Winter knapp werden könnte. Den tagesaktuellen Stand finden Sie auf der Seite der Bundesnetzagentur. Dies hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel auch wie kalt der Winter wird. Aus diesem Grund sollten wir uns gemeinsam darauf vorbereiten und Erdgas sparen, wo dies möglich ist.

Deswegen hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat am 23. Juni nach Abstimmung innerhalb der Bundesregierung die zweite von drei Stufen des Notfallplan Gas ausgerufen, die sog. Alarmstufe. Sie tritt ein, wenn laut Notfallplan Gas:

„eine Störung der Gasversorgung oder eine außergewöhnlich hohe Nachfrage nach Gas vorliegt, die zu einer erheblichen Verschlechterung der Gasversorgungslage führt, der Markt ist aber noch in der Lage, diese Störung oder Nachfrage zu bewältigen, ohne dass nicht marktbasierte Maßnahmen ergriffen werden müssen.“

Hier finden Sie die aktuelle Presseinformation des Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz zur Ausrufung der Alarmstufe.

Weitere Informationen zur Gasversorgungslage finden Sie auf der Seite der Bundesnetzagentur.

Tipps, wie Sie auch zu Hause Energie sparen können finden Sie hier:

Unsere Energie- und Wasser- Spartipps

Antworten zu den häufig gestellten Fragen finden Sie hier

Warum befinden wir uns aktuell in einer Gas-Krise?

Deutschland hat in der Vergangenheit lange von günstigen Erdgaslieferungen profitiert. Diese basierten, im Gegensatz zu vielen anderen Staaten, auf einem sehr einfachen Lieferantenprofil. Neben Norwegen und den Niederlanden entfielen 2021 mehr als die Hälfte der Gaslieferungen auf Russland. Nicht erst mit Beginn des Angriffes auf die Ukraine im Februar 2022 gerieten die Energiemärkte in Bewegung. Insbesondere die Gaspreise stiegen deutlich. Diese Entwicklung hat sich mit Beginn des Ukraine-Krieges deutlich beschleunigt. Hinzu kam, dass die russischen Lieferungen nach Beginn des Krieges zudem einseitig reduziert wurden. Eine komplette Einstellung der Lieferungen wird von vielen erwartet. Damit herrscht vor allem in Europa eine Situation, dass die Versorgung mit Erdgas künftig nicht mehr zuverlässig sein kann.

Warum brauchen wir einen Notfallplan Gas?

Die Bundesregierung legt mit dem Notfallplan fest, was eigentlich passiert, wenn plötzlich kein Erdgas mehr über Pipelines nach Deutschland gelangt. Da das in der Regel nicht plötzlich passiert, sondern in verschiedenen Stufen, hat sich die Bundesregierung für diesen Fall ein abgestuftes Verfahren überlegt, das drei Stufen umfasst. Jede dieser Stufen hat bestimmte Voraussetzungen, jede führt zudem zu einem bestimmten Bündel an Maßnahmen.

Was bedeutet Frühwarn-/Alarm-/Notfallstufe?

Es gibt drei Warnstufen im Notfallplan Gas des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz: die Frühwarnstufe, die Alarmstufe und die Notfallstufe.

1. Die Frühwarnstufe

Die Frühwarnstufe ist die niedrigste Statusstufe des Notfallplans Gas. Sie wurde erstmals am 30. März 2022 ausgerufen. Der Grund: Die Bundesregierung sah konkrete, ernstzunehmende und zuverlässige Hinweise darauf, dass ein Ereignis eintreten kann, welches wahrscheinlich zu einer erheblichen Verschlechterung der Gasversorgungslage führt.

Zur weiteren Vorbereitung trat ein Krisenstab zusammen, der Behörden und Energieversorger umfasst. Versorger und Betreiber der Gasleitungen müssen nun regelmäßig die Lage für die Bundesregierung einschätzen.

2. Die Alarmstufe

Etwas weitgehender ist die Alarmstufe. Sie wurde am 23. Juni 2022 aktiviert. Das bedeutet, dass der Bund eine Störung der Gasversorgung oder eine außergewöhnlich hohe Nachfrage nach Gas feststellt, die zu einer erheblichen Verschlechterung der Gasversorgungslage führt. Allerdings ist der Energiemarkt noch in der Lage, diese Störung zu bewältigen.

Mögliche Maßnahmen sind hier bereits einschneidender. Energieversorger können etwa unter bestimmten Bedingungen höhere Einkaufspreise schneller als sonst direkt an Kunden und Kundinnen weitergeben. Auch werden eigentlich bereits abgeschaltete Kohlekraftwerke wieder ans Netz gebracht, damit Erdgas bei der Stromproduktion eingespart wird.

3. Die Notfallstufe

Letzte Aktivität im Rahmen des Notfallplans Gas ist die Ausrufung der Notfallstufe: Sie tritt in Kraft, wenn eine erhebliche Störung der Gasversorgung oder eine andere erhebliche Verschlechterung der Versorgungslage festgestellt werden kann.

In diesem Fall kann die Bundesregierung mit direkten Maßnahmen in den Markt eingreifen. Vor allem geht es nun darum, dass besonders geschützte Kundinnen und Kunden, d.h. Privatverbraucherinnen und -verbraucher oder etwa Krankenhäuser, weiterhin Erdgas zum Heizen geliefert bekommen. Betriebe werden dann nach Relevanz ggf. von der Erdgasversorgung getrennt.

Was bedeutet die Aktivierung dieser Stufen für unsere Kundinnen und Kunden?

Aktuell ist der Gasverbrauch in Deutschland, der warmen Jahreszeit entsprechend, gering. Denn der Sommer ist bisher sehr warm. Aber wie es in der TV-Serie "Games of Thrones" heißt: Der Winter naht. Und dieser könnte im Falle weiterer Lieferreduzierungen aus Russland ungemütlicher als bisher werden.

Damit wird Sparen im hier und heute immer wichtiger. Denn jede Kilowattstunde Gas, die wir in der warmen Zeit nicht nutzen, hilft, den Winter länger zu überstehen. Denn der Bund sorgt momentan dafür, dass die Gasspeicher gefüllt werden. Wenn der Winter dann kälter werden sollte, können die tausend- und zehntausendfach einzeln eingesparten Kilowattstunden Erdgas so dafür sorgen, dass der Erdgasvorrat länger hält. 

Was können Sie tun, um Erdgas zu sparen?

Es gibt viele Maßnahmen, die dabei helfen, weniger Erdgas zu verbrauchen. Vieles davon ist sehr einfach. Ein paar Tipps haben wir unter „Energiespartipps“ zusammengestellt. Schauen Sie mal rein und prüfen Sie welche der Tipps für Sie persönlich umsetzbar sind.

>Hier geht es zu den Energiespartipps

Wie können Sie sich auf steigende Erdgaspreise vorbereiten?
  1. Verbrauch reduzieren
    Kurzfristig und schnell wirkt vor allem eines: Gas sparen, wo es nur möglich ist. Das gelingt bei den meisten leicht über kleine Anpassungen des eigenen Verhaltens. Sicher kann mancher mehr tun als andere. Aber wenn 83 Millionen Menschen nur ein bisschen tun, kommt am Ende auch eine große Gesamtersparnis zustande.
  2. Abschlag anpassen
    Die aktuelle Situation zwingt praktisch dazu, sich mittel- und langfristig vorzubereiten. Sie sollten definitiv darüber nachdenken, Ihren monatlichen Abschlag zu erhöhen. Das ist jederzeit unkompliziert möglich. Dadurch vermeiden Sie, dass Sie bei der Jahresabrechnung eine hohe Nachzahlung leisten müssen. Bei Fragen wenden Sie sich gerne an unseren Kundenservice.
  3. Geld für Nachzahlungen zurücklegen
    Da sich für die nähere Zukunft weitere Verteuerungen ankündigen, ist eine Vorbereitung darauf ebenfalls klug. Also: Für alle Fälle sollten Sie bereits Geld zurücklegen. Das ist nicht immer leicht: Noch ärgerlicher und vielleicht sogar härter ist eine hohe Nachzahlungs-Forderung, wenn die eigenen Mittel parallel eigentlich für andere Ausgaben gebraucht werden. 
Was hat es mit der neuen Lieferanten-Umlage auf sich, die ab Oktober 2022 auf den Gaspreis aufgeschlagen wird?

Derzeit sind die Energiemärkt in einem zuvor nicht bekannten Preishoch. Das heißt, dass die Einkäufe dort, sprich der Preis, den Stadtwerke und andere Energieversorger bezahlen, so teuer wie seit Jahren nicht sind. Bisher profitieren unsere Kundinnen und Kunden noch davon, dass Stadtwerke Oerlinghausen ihre Gasbeschaffung langfristig durchgeführt hat. Das heißt, Erdgas wird nicht kurz vor der Lieferung an die Kundinnen und Kunden eingekauft, sondern einige Jahre im Voraus.

Nun kommt eine Besonderheit hinzu: Die Stadtwerke kaufen das benötigte Erdgas nicht direkt beim Erzeuger oder der Erzeugerin, sondern bei einem Zwischenhändler. Dieser kauft gebündelt große Mengen ein und verteilt diese dann je nach benötigter Menge an die einzelnen seiner Stadtwerke-Kunden. Das basiert auf in der Regel langfristigen Verträgen, die auch die Preise für die Erdgas an die Stadtwerke fixieren. Nun muss wegen des Vorgehens des russischen Staatskonzerns Gazprom, der einfach weniger Erdgas als vereinbart liefert, der Zwischenhändler – in Deutschland ist das sehr oft der Konzern Uniper – aktuell in großem Umfang Erdgas zu den aktuell aufgerufenen hohen Kosten an den Märkten kaufen (die sogenannte Ersatzbeschaffung). Dadurch verlieren die Zwischenhändler sehr viel Geld und kommen so eigentlich unverschuldet einer Insolvenz immer näher. Deshalb hat die Bundesregierung erlaubt, dass 90 Prozent der höheren Kosten für diese Ersatzbeschaffung in Form einer neuen Umlage auf den Gaspreis umgelegt werden dürfen. Erstmalig wird das im Oktober 2022 greifen.

Was ist eigentlich die Gasspeicher-Umlage?

Deutschland unterhält eine ganze Reihe von Gasspeichern. Das sind teilweise tatsächliche Gebäude mit Stahlhülle, teilweise aber auch unter der Erde liegende Kavernen, wo Erdgas für eine spätere Nutzung gespeichert werden kann. Die meisten dieser Speicher wurden vor einigen Jahren an Gazprom verkauft. Mit Beginn des Ukraine-Krieges und nach der Preisgabe der deutschen Tochter von Gazprom durch das russische Mutterunternehmen hat die Bundesregierung die Hoheit über die Gasspeicher wieder übernommen. Insgesamt kann hier etwa ein Viertel des deutschen Erdgasbedarfs gespeichert werden. Teilweise waren die Gasspeicher komplett leer. Da aber in den vergangenen Monaten die Lieferung von Erdgas aus Russland immer weiter reduziert wurde, hat die Bundesregierung beschlossen, dass die leeren oder weitgehend geleerten Speicher bis zum Beginn des Winters am besten komplett gefüllt werden müssen. Dafür muss natürlich der hohe Einkaufspreis für Erdgas an den Gasmärkten bezahlt werden. Da das gespeicherte Erdgas nicht für den direkten Verbrauch gedacht ist, sondern erst dann ins Gasnetz abgegeben werden soll, wenn kein Gas mehr nach Deutschland fließt oder zumindest eine starke Mangellage besteht, kann dieses Erdgas nicht unmittelbar weiterverkauft werden, um die hohen Kosten zu refinanzieren. Aus diesem Grund hat die Bundesregierung die Gasspeicher-Umlage beschlossen. Mit dieser werden die Kosten für die Befüllung der Gasspeicher auf alle Gas-Kundinnen und Kunden umgelegt.

Was passiert, wenn Sie Ihre Energierechnung nicht mehr zahlen können?

Die Stadtwerke Oerlinghausen sind Ihr verlässliche Partner in der Krise. Egal, ob Privatkunde oder Geschäftskunde: Wenn Sie in einem finanziellen Engpass stecken, können sich jeder Zeit an uns wenden. Wir finden gemeinsam eine individuelle Lösung: Kommen Sie rechtzeitig auf uns zu und sprechen Sie offen mit uns. Vielleicht hilft Ihnen ja ein Ratenplan oder eine begrenzte Stundung von Zahlungen. Wenden Sie sich am Besten an unser Kundencenter.

Wird irgendwann die Gasversorgung eingestellt werden?

Erst wenn die Bundesregierung die Notfallstufe des Notfallplanes Gas ausruft, können Erdgas-Kundinnen und -Kunden von der Versorgung getrennt werden. Privatkundinnen und -kunden wie Sie gelten aber als besonders geschützte Gruppe. Das heißt bei Ihnen wird erst sehr spät der Gasfluss reduziert. Auch Krankenhäuser und Pflegeheime werden bis zuletzt versorgt. Erst wenn die nicht-geschützten Kundinnen und Kunden (i.d.R. Unternehmen) komplett von der Gasversorgung getrennt wurden, weiterhin wenig Erdgas nach Deutschland fließt und die Speicherbestände aufgebracht sind, können auch nach und nach Sie von Abschaltungen betroffen sein. In dieser Lage befinden wir uns aktuell nicht

Warum steigen auch die anderen Energiepreise?

Auch in der Strom-, aber auch der Wärmeversorgung sind die Auswirkungen des Ukraine-Krieges sowie der Preisrallye an den Energiemärkten spürbar. Die gestiegenen Preise für Kohle und Gas, sowie die Gasumlagewirken auch auf die Preise für Strom und Wärme aus.

Soll ich mir ein Heizlüftern zulegen?

Heizlüfter sind im Winter eine teure und wenig sinnvolle Alternative. Zum einen sind Privathaushalte auch in einer Gasmangellage besonders geschützt, zum anderen weisen die Dachverbände wie der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) oder der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) zu Recht darauf hin, dass es beim übermäßigen Einsatz innerhalb eines Stromversorgungsnetzes  zu Überlastungen der Stromnetze und damit zu unkontrollierten Stromausfällen kommen kann. 

Auswirkungen auf Wärme-Kunden / Fernwärme-Kunden

Unsere Wärme-Kunden werden auch in einer akuten Gasmangellage mit Wärme versorgt.

Die aktuell möglichen Maßnahmen beziehen sich ausschließlich auf den reinen Erdgasbezug. Die Stadtwerke Oerlinghausen erzeugen Ihre Wärme aus dem Holzheizkraftwerk und mehreren Blockheizkraftwerken, die mit Erdgas betrieben werden. Diese Blockheizkraftwerke gelten auch in einer Gasmangellage als besonders geschützt.

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